Die Botschaft vom Kreuz

Kreuzwort vom 28.Mai 2016  

Ein sanfter Wolkenhauch umweht das renovierte Kreuz unserer Friedenskirche vor dem Blau des Himmels. Es strahlt (so wie die Pfeile am Kreuzpunkt) in alle 4 Richtungen die Botschaft: „Gott hat Frieden gemacht zwischen sich und den Menschen und Frieden zwischen den Menschen untereinander“. Das Kreuz steht für Versöhnung. Es ist kein Herrschaftssymbol, kein Ausdruck von Macht und Überlegenheit. Das Kreuz ist ein Zeichen des Leidens, ein Zeichen der Liebe, ein Zeichen, dass Gott bereit ist durch Jesus Christus die äußersten Schmerzen auf sich zu nehmen, um die Menschen aus lauter Liebe für sich zu gewinnen. Er will uns nahe sein. Wir können auf seine Kraft und Hilfe hoffen.

So steht das Kreuz für die Leidensbereitschaft und somit auch für alle leidenden Menschen; gerade für die, die sich für andere aufopfern; für die, die Zeit und Kraft, Geld und vielleicht auch die eigene Freiheit im Leben opfern, um andere Menschen zu versorgen, mit ihnen zu teilen und ihnen beizustehen. Das Kreuz zeugt von Jesus Christus, der gesagt hat: „Was ihr einem von meinen geringsten Brüdern getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt. 25,40).

Das Kreuz steht für Toleranz zwischen Menschen. Toleranz im ursprünglichen Sinn: „Ich ertrage Deine Andersartigkeit und Deine andere Einstellung“. Das Kreuz steht aber auch für ein Bekenntnis dessen, was mir in meinem Glauben wichtig ist (darum die Kugeln aus Gold), worüber ich gerne mit anderen ins Gespräch komme.

Das Kreuz steht für eine versöhnte Verständigung zwischen Religionen und Rassen, Generationen und Nationen. Es weist auf den hin, der gesagt hat: „Liebt einander, sogar auch eure Feinde und tut wohl denen, die euch hassen“ (Mt. 5,44) und „schlagt nicht zurück, wenn euch einer schlägt“. Das Kreuz steht für den, der keinen Unterschied gemacht hat zwischen Volksgenossen, Fremden und Ausländern; es steht für die Achtung der Menschenwürde, die uneingeschränkt für jede/n vor Gott gilt, es steht für die Gleichheit aller Menschen.

Wie kann man so ein Zeichen verstecken wollen oder fordern, dass es aus Klassenzimmern verschwindet? „Das Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren sind, uns aber ist es eine Gotteskraft“ so sagt Paulus im 1. Korintherbrief (1,18). Und darum stellen wir es weithin sichtbar strahlend wieder ganz neu oben auf die Turmspitze der „Friedens“-Kirche. Am Sonntag, 29. Mai feiern wir ab 9:30 h einen Festgottesdienst zum Abschluss der Kirchenrenovierung mit anschließendem erweiterten Kirchenkaffee. Dazu möchte ich Sie herzlich einladen in die Friedenskirche, Würzburger Str. 7.

Pfarrer Bernd Töpfer, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Marktheidenfeld

 

Gedanken zur Jahreslosung 2016

Jahreslosung im Verlag am Birnbach - Motiv von Stefanie Bahlinger, Mössingen


Rudi Rupp, Dekan

Für mich ist das wichtigste Wort in der Jahreslosung das kleine Wörtchen „wie“. Gott ist keine Mutter, so wie er auch kein Vater ist. Er ist kein Mensch, sondern Gott. Er ist kein Löwe, keine Sonne und kein König. Und doch wird er mit all dem verglichen. Und hier eben mit einer Mutter.

Wie gut das tat, von der Mutter getröstet worden zu sein! Da brauchte es eigentlich nicht vieler Worte, sondern behutsame Gesten der Nähe.

Ich habe letztlich einen Vater beobachtet, der ganz liebevoll und fürsorglich seine kleine Tochter, die hingefallen war, aufgehoben, in den Arm genommen und getröstet hat. Ja, auch wir Väter können gut trösten. Und doch ist der Trost der Mutter vielen noch vertrauter, noch inniger, tut er noch besser.

Und genau so tröstet Gott. Kommt er uns so nahe wie die Arme der Mutter und deren Wangen. Spürt er unsere Not so intensiv wie sie, zeigt er uns seine Liebe so unbedingt, wie es nur eine Mutter, ein Vater können. Wie gut das tut, mit so einem Gott das Neue Jahr zu beginnen und jeden geschenkten Tag darin genau so zu erleben!


Olaf Nowak, Präsidium, Vertrauensperson für Ehrenamtliche

Mir gefällt diese Jahreslosung sehr gut. Wenn ich die Worte höre oder lese habe ich spontan die Musik aus dem „Deutschen Requiem“ von Johannes Brahms im Ohr, wo Sopran-Solo und 4stimmiger Chor diese wunderbare Zusage Gottes in ergreifender Weise musikalisch vermitteln.

Eine ruhige, beruhigende und tröstende, sehr emotionale Musik. Und immer sehe ich dann auch meine Mutter vor mir und erinnere mich an meine Kindheit. Wie gut das tat, wenn ich hingefallen war oder von einer Biene gestochen oder mich Bauchweh quälte, von meiner Mutter in den Arm genommen und getröstet wurde. Oft reichte schlichtweg ihre Anwesenheit und Nähe. Gleiches gilt für mich nun auch als Erwachsener. Im Gebet finde ich Trost und Halt bei meinem Gott. Ich spüre seine Nähe und weiß mich in meiner Situation getröstet und geborgen.


 

Angedacht

Gedanken von Dekan Rudi Rupp

Kein Thema bewegt uns zurzeit so sehr wie die Flüchtlingsfrage. Und die Bilder, die uns dabei vor Augen stehen, brennen sich gleichsam ins Bewusstsein ein. Bilder von Menschen, die sich aus Verzweiflung auf die Gleise legen oder zu Fuß die Autobahn entlang gen Westen ziehen, um irgendwie nach Deutschland zu gelangen. Bilder von Menschen, die in beklemmender Dichte über ihre Flucht berichten, über die schrecklichen Umstände, denen sie entflohen sind, und über die Hoffnungen, die sie mit Deutschland verbinden. Bilder von freundlichen Menschen, die an den großen Bahnhöfen stehen und die erschöpften Ankömmlinge mit Händeklatschen, mit Wasser, mit Spielsachen für die Kinder, mit offenen Herzen und Händen begrüßen. (Unser Landesbischof Dr. Bedford-Strohm und der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Marx, waren auch darunter.) Bilder von den Ankommenden hier in Aschaffenburg, von einer ganz praktisch gelebten und organisierten Willkommenskultur mitten unter uns. Und dabei sind die jüngsten Flüchtlingszüge ja nicht die ersten, die uns erreicht haben. Tausende Asylsuchende und Flüchtlinge waren bereits gekommen und viele Tausende werden noch kommen.

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