Kirchgeld 2016

Aufgrund eines Fehlers im Computerprogramm ist es im System leider zu einem unangenehmen Fehler bei den Kirchgeldanschreiben gekommen. Der Fehler, welcher bayernweit aufgetreten ist,  betrifft Personen, die in eine andere Kirchengemeinde umgepfarrt wurden.

Das System hat die abweichende Kirchengemeindenummer nicht akzeptiert, so dass die umgepfarrten Personen einen Kirchgeldbescheid ihres tatsächlichen Wohnortes und der dafür zuständigen Kirchengemeinde erhalten haben. Das ist leider sehr ärgerlich und tut uns leid.

Wenn Sie zu diesem Personenkreis gehören, melden Sie sich bitte bei der Kirchengemeinde zu der sie umgepfarrt wurden. Ihre Wunschgemeinde wird Ihnen gerne weiterhelfen und die korrekten Kirchgeldkontonummern aushändigen.

Menschen wie sie

Kreuzwort 20.8.2016

Sie war gerade mal 20 als sie bei uns im Spessart landete. Geboren im Sudetenland hatte der Krieg sie als junge Flakhelferin in den Norden Deutschlands gebracht. Auf dem Weg zurück zur Familie wurde sie von den Amerikanern aufgegriffen. Per Militärtransport ging’s dann gen Westen.

„Wie viele brauchst Du?“ fragte der Offizier den Bürgermeister. „Zwei“. Der Offizier sieht sich auf dem Lastwagen um. „Du und Du, absteigen!“  Sie soll bei der Ernte helfen.

Ausgesucht hat sie sich das nicht. Weder den Krieg, noch die Flakhelferin, noch den Spessart. Aber, da war sie nun. Und der Spessart sollte ihr zur neuen Heimat werden. Hier sollte sie wohnen bleiben.

Einfach war es nicht. Eine Fremde. Eine Evangelische noch dazu: Flüchtlinge wurden damals mit dem gleichen Misstrauen betrachtet wie heute.

Sie lässt sich nicht beirren. Sie heiratet, gebiert Kinder. Mit viel Eigenarbeit entsteht ein Haus. Der Garten ernährt die Familie. Unermüdlich trägt sie zum Lebensunterhalt bei. Heimarbeit, Pflegekinder, schließlich eine Anstellung. Wo sie kann hilft sie in der Nachbarschaft aus.  Wenn es gar nichts mehr zu tun gibt, dann muss zumindest ein Kreuzworträtsel gelöst werden.

Mit großem Weitblick ermöglichen sie und ihr Mann den Kindern eine gute Ausbildung, besser als es in der Kriegszeit für sie selbst möglich gewesen war und besser als es bei anderen Kindern in den Dörfern im Spessart damals üblich war. Sie hilft bei den Hausaufgaben, soweit sie das kann. Ist moralisch zur Stelle, wenn die Kinder Rückhalt brauchen:  „Ihr schafft das schon!“

Bis ins hohe Alter hinein nimmt sie aktiv am Leben in der Nachbarschaft und am Leben ihrer Kinder teil. Mit ihr ist einfach gut reden. Als sie mit knapp 90 auf ihr Leben zurückblickt, ist sie dankbar:  Spuren Gottes.  Spuren Gottes bei sich und bei vielen Anderen, die sie im Laufe ihres Lebens berührt hat.

„Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten,
Gutes entstehen lassen kann und will.“

So schreibt 1943 der evang. Pfarrer Bonhoeffer, der im letzten Kriegsjahr von den Nazis ermordet wurde. 1943, zehn Jahre nach der Machtergreifung Hitlers. Auf diesem Hintergrund klingen die Sätze provozierend: Gutes aus dem Nationalsozia­lismus?  Auch aus Krieg und Massenvernichtung?

„Dafür braucht Gott Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen“, fährt Bonhoeffer fort.

Die Sudentendeutsche im Spessart ist so ein Mensch. Immer wieder schafft sie es, sich den Veränderungen in ihrem Leben mit einem positiven Ausblick zu stellen: Das Glas ist halb voll! So lässt sie die Brüche hinter sich; aufmerksam, interessiert und lebensoffen.

Ich bin dankbar, dass ich sie kennenlernen durfte. Unsere Welt braucht Menschen wie sie.

Heiner Spittler (Pfarrer)

Gedanken zur Jahreslosung 2016

Jahreslosung im Verlag am Birnbach - Motiv von Stefanie Bahlinger, Mössingen


Rudi Rupp, Dekan

Für mich ist das wichtigste Wort in der Jahreslosung das kleine Wörtchen „wie“. Gott ist keine Mutter, so wie er auch kein Vater ist. Er ist kein Mensch, sondern Gott. Er ist kein Löwe, keine Sonne und kein König. Und doch wird er mit all dem verglichen. Und hier eben mit einer Mutter.

Wie gut das tat, von der Mutter getröstet worden zu sein! Da brauchte es eigentlich nicht vieler Worte, sondern behutsame Gesten der Nähe.

Ich habe letztlich einen Vater beobachtet, der ganz liebevoll und fürsorglich seine kleine Tochter, die hingefallen war, aufgehoben, in den Arm genommen und getröstet hat. Ja, auch wir Väter können gut trösten. Und doch ist der Trost der Mutter vielen noch vertrauter, noch inniger, tut er noch besser.

Und genau so tröstet Gott. Kommt er uns so nahe wie die Arme der Mutter und deren Wangen. Spürt er unsere Not so intensiv wie sie, zeigt er uns seine Liebe so unbedingt, wie es nur eine Mutter, ein Vater können. Wie gut das tut, mit so einem Gott das Neue Jahr zu beginnen und jeden geschenkten Tag darin genau so zu erleben!


Olaf Nowak, Präsidium, Vertrauensperson für Ehrenamtliche

Mir gefällt diese Jahreslosung sehr gut. Wenn ich die Worte höre oder lese habe ich spontan die Musik aus dem „Deutschen Requiem“ von Johannes Brahms im Ohr, wo Sopran-Solo und 4stimmiger Chor diese wunderbare Zusage Gottes in ergreifender Weise musikalisch vermitteln.

Eine ruhige, beruhigende und tröstende, sehr emotionale Musik. Und immer sehe ich dann auch meine Mutter vor mir und erinnere mich an meine Kindheit. Wie gut das tat, wenn ich hingefallen war oder von einer Biene gestochen oder mich Bauchweh quälte, von meiner Mutter in den Arm genommen und getröstet wurde. Oft reichte schlichtweg ihre Anwesenheit und Nähe. Gleiches gilt für mich nun auch als Erwachsener. Im Gebet finde ich Trost und Halt bei meinem Gott. Ich spüre seine Nähe und weiß mich in meiner Situation getröstet und geborgen.


 

Angedacht

Gedanken von Dekan Rudi Rupp

Kein Thema bewegt uns zurzeit so sehr wie die Flüchtlingsfrage. Und die Bilder, die uns dabei vor Augen stehen, brennen sich gleichsam ins Bewusstsein ein. Bilder von Menschen, die sich aus Verzweiflung auf die Gleise legen oder zu Fuß die Autobahn entlang gen Westen ziehen, um irgendwie nach Deutschland zu gelangen. Bilder von Menschen, die in beklemmender Dichte über ihre Flucht berichten, über die schrecklichen Umstände, denen sie entflohen sind, und über die Hoffnungen, die sie mit Deutschland verbinden. Bilder von freundlichen Menschen, die an den großen Bahnhöfen stehen und die erschöpften Ankömmlinge mit Händeklatschen, mit Wasser, mit Spielsachen für die Kinder, mit offenen Herzen und Händen begrüßen. (Unser Landesbischof Dr. Bedford-Strohm und der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Marx, waren auch darunter.) Bilder von den Ankommenden hier in Aschaffenburg, von einer ganz praktisch gelebten und organisierten Willkommenskultur mitten unter uns. Und dabei sind die jüngsten Flüchtlingszüge ja nicht die ersten, die uns erreicht haben. Tausende Asylsuchende und Flüchtlinge waren bereits gekommen und viele Tausende werden noch kommen.

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