Reformationsjubiläum in Aschaffenburg

Vor Jahren schaffte er es sogar auf Platz 2 der Besten Deutschen. Der Reformator Martin Luther. Im Jahr 2017 ist sein berühmter Thesenanschlag am 31. 10. Feiertag in ganz Deutschland. Zweifellos also ein Mann, der Geschichte schrieb. 500 Jahre nach den Hammerschlägen von Wittenberg kann man freilich auch kritisch zurückfragen: Was hat eine Persönlichkeit des ausgehenden Mittelalters Menschen von heute noch zu sagen? Die Antwort fiele gewiss schwer, wenn wir eine Luther-Heldenverehrung zelebrierten. Und so geht es im Jubiläumsjahr 2017 nicht allein um den Reformator aus Wittenberg, sondern um die geistesgeschichtlichen und religiösen Aufbrüche, die mit seinem Namen verbunden sind und die bis heute unser Zusammenleben maßgeblich prägen. Ob es die Freiheit des Gewissens ist oder die Kritik an politischer Machtfülle, ob es um die Rolle der Geschlechter zueinander geht oder um die Bedeutung von Religion für das friedliche Zusammenleben: Ohne Luther und die anderen Reformatoren wie Calvin, Melanchthon oder John Wesley sähe Europa heute völlig anders aus.

Der Bedeutung der Reformation für unser Leben heute nachzuspüren, Geschichte begreifbar zu machen und die Vielfalt der Konfessionen nicht als Bedrohung sondern zuerst als ökumenische Chance anzusehen – das sind die Ziele der Veranstaltungen dieses Programmheftes.

Klicken Sie einfach auf das Heft und schauen Sie, welch abwechslungsreiches, spannendes Programm herausgekommen ist.

Ich freue mich, Sie zu den Veranstaltungen des Reformationsjubiläums herzlich einladen zu dürfen.

Rudi Rupp, Dekan

Warum immer ich?

Kreuzwort vom 25.03.2017

Charlie Brown, der tragikomische Comicheld von Charles M. Schulz, ist wohl bekannt. Er wird ständig von Klassenkameradin Lucy gepiesackt, verliert jedes Baseballspiel und schmachtet voll unerfüllter Liebe das kleine rothaarige Mädchen an. Dieser vom Pech verfolgte und vom Leben derart gebeutelte kleine Junge zweifelt an sich selbst, der Treue seiner Freunde, am Grund seines Daseins: „Warum immer ich?“ steht ihm permanent ins  Gesicht geschrieben.
Diese Frage kennen viele Menschen. Wer von einem wie auch immer gearteten harten Schicksalsschlag getroffen wird, kommt meistens früher oder später an den Punkt, an dem er sich fragt: Wieso gerade ich? Was habe ich denn falsch gemacht, soll das eine Strafe für irgendetwas sein?
Auch Jesus wird damit konfrontiert: Er trifft „einen Mann, der seit seiner Geburt blind war.
Da fragten ihn seine Jünger: Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst? Ober haben seine Eltern gesündigt, so dass er blind geboren wurde?“ (Joh 9,1+2). Blindheit galt in der damaligen Gesellschaft als Strafe Gottes für schlimme Sünden, also musste es wohl einen Grund dafür geben. Jesus lässt sich auf keine Diskussion innerhalb dieser Denkweise ein, er hebt das Gespräch auf eine ganz andere Ebene. Er antwortet: „Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden.“ (Joh 9,3).
In Jesu Antwort liegt für mich Zuspruch, Hoffnung und Ermutigung. Mit seiner Aussage nimmt er die Situation ernst, er verharmlost die Widrigkeiten des Schicksals nicht und versteht das Leid des Betroffenen. Zugleich sagt er seine Nähe zu, er lässt den, der Hilfe braucht, nicht im Stich. Und er macht Mut, dass auch an denen, die vom Leben gebeutelt sind, das Wirken Gottes sichtbar werden kann: Bei Ihm ist keiner vergessen, jeder hat einen Platz in Gottes Plan, ganz egal, unter welchen Einschränkungen er zu leiden hat.
Ich wünsche uns allen, diese Gewissheit zu bewahren. Sie wird uns durch alle Tage – auch durch schwere – tragen. Und um den Humor nicht zu verlieren, können wir es mit dem Rat von Snoopy an Charlie Brown halten: „Schau immer nach oben – das ist das Geheimnis des Lebens!“


Kerstin Gerlach,
Pastoralreferentin in der Pfarreiengemeinschaft Am Engelberg, Großheubach

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