Der richtige Weg

Kreuzwort vom 24.06.2016

Die freundliche, aber bestimmte Stimme aus meinem Navi sagt: „Bitte umkehren!“ Ich bin unterwegs in einer fremden Stadt und habe mich verfahren. Zum Glück habe ich mein Navi dabei, das mich wieder auf den richtigen Weg lenkt. Es gibt offenbar keine andere Möglichkeit: „Bitte umkehren!“ Zum zweiten Mal weist mich die Stimme aus meinem Navi zurecht.

Zu dem Schilderwald des Straßenverkehrs gesellt sich eine weitere Orientierungshilfe, um Menschen unterwegs auf den richtigen Weg zu führen. Für mich ist es hilfreich und ich bin dafür dankbar, dass Zeichen, Geräte, aber auch Menschen mir den Weg weisen, damit ich ans rechte Ziel komme.

Auch auf meinem Lebensweg habe ich immer wieder die Hilfe und Ausrichtung von Menschen erfahren: Meine Eltern haben sich voll Liebe mir zugewendet und mir das ermöglicht, was ich heute bin. Meine Lehrmeister haben mir ihre Erfahrungen weitergegeben, um auf Schwierigkeiten gut reagieren zu können. Meine junge Familie gibt mir Halt, wenn ich einmal keinen Durchblick mehr habe. Dafür bin ich sehr dankbar!

Meine Großmutter war diejenige, die mein Leben mit auf ihren Glaubensweg genommen hat. Liebevoll hat sie mich jeden Sonntag mit in die Kirche genommen, schon als Kind. Das war für mich total langweilig. Ich erinnere mich, wie ich in der Kirchenbank saß und Däumchen gedreht habe, weil der Pfarrer mal wieder so lange geredet und ich kein Wort verstanden habe. „Wenigstens eine Stunde in der Woche sollst Du Zeit für Deinen Herrn haben!“ fügte sie meistens etwas gesetzmäßig dazu.

Werden in diesen Tagen die Johannesfeuer entzündet, so geht es in erster Linie um das Event, das Feueranzünden und die Gemeinschaft in der Natur. Ich verbinde damit aber auch, das Erinnern an den Namensgeber, Johannes der Täufer. Er hat als Vorläufer Jesu versucht, Menschen für die Botschaft des Reiches Gottes zu gewinnen: „Kehrt um!“ Das waren seine nachdenklichen Worte. Schaut auf den Weg, auf dem ihre gerade seid. Nach mir wird einer kommen, der viel größer als ich ist. Er wird mit „Feuer und Geist“ taufen. Darum kehrt um und überdenkt euer Leben.

Im Naturjahr sind wir im Sommer angekommen. Am 21. Juni ist der Tag der Sommersonnenwende: Wir haben den längsten Tag. Danach werden die Dunkelheiten unseres Lebens wieder größer. Dorthinein strahlt Gott mit seinem Licht und begleitet uns. Er gibt uns Halt und Orientierung an hellen und an dunklen Tagen.

 Pfarrer Alexander Röhm, Eschau

Gedanken zur Jahreslosung 2016

Jahreslosung im Verlag am Birnbach - Motiv von Stefanie Bahlinger, Mössingen


Rudi Rupp, Dekan

Für mich ist das wichtigste Wort in der Jahreslosung das kleine Wörtchen „wie“. Gott ist keine Mutter, so wie er auch kein Vater ist. Er ist kein Mensch, sondern Gott. Er ist kein Löwe, keine Sonne und kein König. Und doch wird er mit all dem verglichen. Und hier eben mit einer Mutter.

Wie gut das tat, von der Mutter getröstet worden zu sein! Da brauchte es eigentlich nicht vieler Worte, sondern behutsame Gesten der Nähe.

Ich habe letztlich einen Vater beobachtet, der ganz liebevoll und fürsorglich seine kleine Tochter, die hingefallen war, aufgehoben, in den Arm genommen und getröstet hat. Ja, auch wir Väter können gut trösten. Und doch ist der Trost der Mutter vielen noch vertrauter, noch inniger, tut er noch besser.

Und genau so tröstet Gott. Kommt er uns so nahe wie die Arme der Mutter und deren Wangen. Spürt er unsere Not so intensiv wie sie, zeigt er uns seine Liebe so unbedingt, wie es nur eine Mutter, ein Vater können. Wie gut das tut, mit so einem Gott das Neue Jahr zu beginnen und jeden geschenkten Tag darin genau so zu erleben!


Olaf Nowak, Präsidium, Vertrauensperson für Ehrenamtliche

Mir gefällt diese Jahreslosung sehr gut. Wenn ich die Worte höre oder lese habe ich spontan die Musik aus dem „Deutschen Requiem“ von Johannes Brahms im Ohr, wo Sopran-Solo und 4stimmiger Chor diese wunderbare Zusage Gottes in ergreifender Weise musikalisch vermitteln.

Eine ruhige, beruhigende und tröstende, sehr emotionale Musik. Und immer sehe ich dann auch meine Mutter vor mir und erinnere mich an meine Kindheit. Wie gut das tat, wenn ich hingefallen war oder von einer Biene gestochen oder mich Bauchweh quälte, von meiner Mutter in den Arm genommen und getröstet wurde. Oft reichte schlichtweg ihre Anwesenheit und Nähe. Gleiches gilt für mich nun auch als Erwachsener. Im Gebet finde ich Trost und Halt bei meinem Gott. Ich spüre seine Nähe und weiß mich in meiner Situation getröstet und geborgen.


 

Angedacht

Gedanken von Dekan Rudi Rupp

Kein Thema bewegt uns zurzeit so sehr wie die Flüchtlingsfrage. Und die Bilder, die uns dabei vor Augen stehen, brennen sich gleichsam ins Bewusstsein ein. Bilder von Menschen, die sich aus Verzweiflung auf die Gleise legen oder zu Fuß die Autobahn entlang gen Westen ziehen, um irgendwie nach Deutschland zu gelangen. Bilder von Menschen, die in beklemmender Dichte über ihre Flucht berichten, über die schrecklichen Umstände, denen sie entflohen sind, und über die Hoffnungen, die sie mit Deutschland verbinden. Bilder von freundlichen Menschen, die an den großen Bahnhöfen stehen und die erschöpften Ankömmlinge mit Händeklatschen, mit Wasser, mit Spielsachen für die Kinder, mit offenen Herzen und Händen begrüßen. (Unser Landesbischof Dr. Bedford-Strohm und der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Marx, waren auch darunter.) Bilder von den Ankommenden hier in Aschaffenburg, von einer ganz praktisch gelebten und organisierten Willkommenskultur mitten unter uns. Und dabei sind die jüngsten Flüchtlingszüge ja nicht die ersten, die uns erreicht haben. Tausende Asylsuchende und Flüchtlinge waren bereits gekommen und viele Tausende werden noch kommen.

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