Flagge zeigen!

Kreuzwort für 23.07.2016                                                                                                         

Jetzt sind sie wieder eingerollt bzw. abgesteckt, die zahlreichen Fahnen, die während der EM viele Häuser und Autos zierten. Gut verstaut verharren sie nun in den Kisten und warten darauf, beim nächsten Event wieder gezeigt zu werden. Ob es noch zeitgemäß ist, die eigene Nationalität so demonstrativ zur Schau zur stellen, darüber lässt sich in einer Zeit, in der die Völker zusammenwachsen, vielleicht streiten. Unbestritten sollte jedoch sein, dass wir zu unseren Überzeugungen stehen. Flagge zeigen, meine Meinung sagen, für meine Überzeugungen eintreten, ein Grundrecht, das wir nicht dem rechten Sektor überlassen dürfen. Flagge zeigen setzt erst einmal voraus, dass ich von etwas überzeugt bin, dass ich von etwas so erfüllt bin, dass es mir wert erscheint, mich dafür einzusetzen.

Es gehört Mut dazu, in einer Diskussionsrunde das Wort zu erheben – leichter ist es, mich hinter der Meinung anderer zu verstecken. Es bedarf Zivilcourage, wenn ich für Menschen Partei ergreife, die sonst untergehen würden und es braucht Wahrhaftigkeit, um mich für das Gute einzusetzen. Die Kantate

Nr. 147, die am morgigen Sonntag zur Eröffnung der Aschaffenburger Bachtage in der Christuskirche erklingen wird, bringt es auf den Punkt: „Herz und Mund und Tat und Leben muss von Christus Zeugnis geben - ohne Furcht und Heuchelei“.

Nicht nur Lippenbekenntnisse, nein, mit dem Herzen dabei sein und glaubhaft das leben, wovon ich überzeugt bin!

Was begeistert und bewegt mich so, dass ich es auf meine Fahne schreiben möchte?

Andrea Marquardt
evangelische Religionspädagogin in Aschaffenburg

 

Gedanken zur Jahreslosung 2016

Jahreslosung im Verlag am Birnbach - Motiv von Stefanie Bahlinger, Mössingen


Rudi Rupp, Dekan

Für mich ist das wichtigste Wort in der Jahreslosung das kleine Wörtchen „wie“. Gott ist keine Mutter, so wie er auch kein Vater ist. Er ist kein Mensch, sondern Gott. Er ist kein Löwe, keine Sonne und kein König. Und doch wird er mit all dem verglichen. Und hier eben mit einer Mutter.

Wie gut das tat, von der Mutter getröstet worden zu sein! Da brauchte es eigentlich nicht vieler Worte, sondern behutsame Gesten der Nähe.

Ich habe letztlich einen Vater beobachtet, der ganz liebevoll und fürsorglich seine kleine Tochter, die hingefallen war, aufgehoben, in den Arm genommen und getröstet hat. Ja, auch wir Väter können gut trösten. Und doch ist der Trost der Mutter vielen noch vertrauter, noch inniger, tut er noch besser.

Und genau so tröstet Gott. Kommt er uns so nahe wie die Arme der Mutter und deren Wangen. Spürt er unsere Not so intensiv wie sie, zeigt er uns seine Liebe so unbedingt, wie es nur eine Mutter, ein Vater können. Wie gut das tut, mit so einem Gott das Neue Jahr zu beginnen und jeden geschenkten Tag darin genau so zu erleben!


Olaf Nowak, Präsidium, Vertrauensperson für Ehrenamtliche

Mir gefällt diese Jahreslosung sehr gut. Wenn ich die Worte höre oder lese habe ich spontan die Musik aus dem „Deutschen Requiem“ von Johannes Brahms im Ohr, wo Sopran-Solo und 4stimmiger Chor diese wunderbare Zusage Gottes in ergreifender Weise musikalisch vermitteln.

Eine ruhige, beruhigende und tröstende, sehr emotionale Musik. Und immer sehe ich dann auch meine Mutter vor mir und erinnere mich an meine Kindheit. Wie gut das tat, wenn ich hingefallen war oder von einer Biene gestochen oder mich Bauchweh quälte, von meiner Mutter in den Arm genommen und getröstet wurde. Oft reichte schlichtweg ihre Anwesenheit und Nähe. Gleiches gilt für mich nun auch als Erwachsener. Im Gebet finde ich Trost und Halt bei meinem Gott. Ich spüre seine Nähe und weiß mich in meiner Situation getröstet und geborgen.


 

Angedacht

Gedanken von Dekan Rudi Rupp

Kein Thema bewegt uns zurzeit so sehr wie die Flüchtlingsfrage. Und die Bilder, die uns dabei vor Augen stehen, brennen sich gleichsam ins Bewusstsein ein. Bilder von Menschen, die sich aus Verzweiflung auf die Gleise legen oder zu Fuß die Autobahn entlang gen Westen ziehen, um irgendwie nach Deutschland zu gelangen. Bilder von Menschen, die in beklemmender Dichte über ihre Flucht berichten, über die schrecklichen Umstände, denen sie entflohen sind, und über die Hoffnungen, die sie mit Deutschland verbinden. Bilder von freundlichen Menschen, die an den großen Bahnhöfen stehen und die erschöpften Ankömmlinge mit Händeklatschen, mit Wasser, mit Spielsachen für die Kinder, mit offenen Herzen und Händen begrüßen. (Unser Landesbischof Dr. Bedford-Strohm und der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Marx, waren auch darunter.) Bilder von den Ankommenden hier in Aschaffenburg, von einer ganz praktisch gelebten und organisierten Willkommenskultur mitten unter uns. Und dabei sind die jüngsten Flüchtlingszüge ja nicht die ersten, die uns erreicht haben. Tausende Asylsuchende und Flüchtlinge waren bereits gekommen und viele Tausende werden noch kommen.

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